Autofrei frei

Grenzenlose Freiheit

Grenzenlos frei und leicht in jede Strasse einbiegen, über jede Wiese hüpfen, durch den Matsch, den Schnee stapfen, über Stock und Stein, wohin einem die Füsse tragen. Und wenn die Füsse nicht ausreichen, dann gibt es das Fahrrad, den Zug. Grenzenlos frei auch jenseits der Strassen. Keine Parkplatzsuche, kein Stau, keine Vollidioten auf den Strassen, denn fahren können alle anderen eh nicht. Es wird fast nirgends so laut und böse geflucht, geschimpft und angebrüllt wie im Auto. Doch viele Autofahrer sehen sich ihrer Freiheit beraubt, wenn sie auf ihr Auto verzichten müssten. Und geben dafür ihr letztes Geld aus. Sogar wenn sie es nicht haben. Jedes zweite Auto in der Schweiz ist geliesed. 

Ich hingegen fühle mich mit dieser mich umgebenden Riesenkiste gehörig eingeengt, eingequetscht, unwendig, immobil. Wenn ich mir vorstelle, abends mein Bürostuhl mit dem Autositz statt mit dem Velosattel und der frischen Luft zu tauschen, überkommt mich ein beklemmendes Gefühl.

Kinderworte

„Ohni Auto wärs schwieriger, well me nöd so schnell vorwärts chunnt. Aber ohni Auto wäri tWelt besser, well tAuto mached Abgas.“

Argumente

Autofahren ist günstiger als der öV, behaupten viele, vor allem wenn es bereits angeschafft ist. Doch Versicherung, Unterhalt, Strassenverkehrsamt, Parkplatz, Benzin, und die die leider nicht-monetär bezifferbaren Umweltkosten zusammen kommen auf eine höhere Summe als das Zug- oder Busbillet. Autofahren ist schneller, folgt das nächste Argument. Wenn ich beim Pendeln noch ein Buch gelesen habe, ein paar Nachrichten beantworten oder etwas arbeiten konnte, meinen Hunger gestillt, Musik gehört, mit der Nachbarin ein Schwatz abgehalten oder mir ein Bier gegönnt habe, fühle ich mich schneller in Feierabendlaune als im stockenden Feierabendverkehr.

Freiheit

Ich bin mir ganz sicher, weniger Sorgen zu haben als jeder Autobesitzer, denn mein Geld weiss ich anderswo besser investiert, meine CO2-Emissionen halte ich unter dem Durchschnittswert, es kann mir niemand an meinem ersten Arbeitstag einen Parkschaden zufügen, ich muss mir keine Gedanken machen, wo der Zug abgestellt werden muss, während ich mir mit einer Freundin ein Glas Wein gönne, und doch holt mir der Zug pünktlich und sicher ab und fragt nicht nach meinem Alkoholpegel.

Parkplatz, Umwelt, unsere Erde

Ich fühle mich ohne Auto sorgen-, geld- und ganz einfach frei. Das bedeutet es für mich, kein Auto zu besitzen: Grenzenlos frei auch jenseits der Strassen, nicht verzweifelt Parkplätze suchen, die Umwelt nicht verpesten, unserem Planeten Sorge tragen.

 

Nichtsdestotrotz – es bleibt… das Dilemma.

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